Die Geschichte der Stadt Gotha und ihre Kirchen

Die Geschichte der Stadt Gotha und ihre Kirchen

Thüringer Wald Gotha
Gotha liegt in einer Vorlandregion des Thüringer Waldes

Gotha ist eine mittlere Kreisstadt ganz im Herzen des Freistaates Thüringen und liegt am Rand des Thüringer Beckens in einer Vorlandregion des Thüringer Waldes. Sie gilt als eine der schönsten Städte des Landes und ist berühmt aufgrund seiner Vielzahl an historischen Bauwerken und Denkmälern.

Erstmals Erwähnung fand die Stadt in einer schriftlichen Urkunde Karls des Großen im Jahre 775 unter dem Namen „Villa Gothaha“. Bis 1825 war Gotha die Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg und danach derer zu Sachsen-Coburg. Gotha ist eine naturwissenschaftlich geprägte Stadt und gilt als rivalisierendes Pendant zu Weimar, dem Zentrum künstlerischer Ausdruckskraft in Thüringen.

Das historische Gotha

Die Besiedlung der Gegend rundum Gotha ist heute bis auf die Jungsteinzeit rückdatierbar. Spuren von Siedlungsresten finden sich aus der Bronzezeit sowie der Eisenzeit und lassen sich bis zum frühen Mittelalter bis in die Zeit der Merowinger gut erhalten rückverfolgen. Urkundlich erstmals Erwähnung fand Gotha im Jahr 775 durch den Frankenkönig Karl den Großen und dessen Übereignung der Ländereien um die Villa Gothaha an das Kloster Hersfeld.

Namensgebend für die Stadt Gotha war einer Sage nach der Volksstamm der Goten. Diese siedelten, nach einer Heirat der Nichte des Ostgotenkönigs Theoderichs des Großen mit dem König der Thüringer Herminafried, unter dem heutigen Schlossberg der Stadt.

Stadtrecht erhielt Gotha im Mittelalter unter dem Landgrafen Ludwig II. zur Mitte des 12. Jahrhunderts und wurde zu einer prägenden Hauptmünzstätte des Landes. Unter dem Schutz der Burg Grimmenstein sowie einer stark befestigten Stadtbefestigungsanlage mit Mauern, Türmen und lang gezogenen Gräben konnte die Stadt über Jahre hinaus weiter wachsen.

Das 15 Jahrhundert in Gotha

Im 15. Jahrhundert diktierte Luther sein erstes Testament in einem der Klöster der Stadt Gotha. Dienstlich führte ihn der Weg sehr oft in die Stadt, da das im Frühjahr 1515 in Gotha zusammengekommene Ordenskapitel der deutschen Augustinerkongregation Martin Luther zum Distrikts Vikar wählte. Die Stadt war zudem oft gewählter Haltepunkt Luthers bei seinen Reisen nach Worms oder Marburg. Der Freund und Berater Luthers, Friedrich Myconius, ging in die Geschichte der Stadt als Gothaer Reformator ein.

Unter den Herzögen der Linie Sachsen-Gotha in der Neuzeit bis in das 19. Jahrhundert erhob sich die Stadt zu einem naturwissenschaftlichen und kulturellem Zentrum, welches die Künste mit einbezog. Die im Jahre 1775 gegründete Porzellanmanufaktur Gothas gilt als eine der ältesten Manufakturen Europas und ist zudem weltberühmt. Die privat von Herzog Ernst II. finanzierte Sternwarte zog zudem viele Wissenschaftler und Denker an den thüringischen Hof.

Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum des Maschinenbaus, der Druckindustrie und der Fliegerei, unter der sie den Beinamen „Fliegerstadt Gotha“ bekam. Während des Zweiten Weltkrieges fügten, alliierte Luftangriffe der Stadt große Schäden zu und Teile der neoklassizistischen Bahnhofshalle, die Margaretenkirche sowie des Landestheaters brannten nahezu vollständig ab.

Auch Teile der Altstadt waren stark betroffen und wurden im Zuge der deutschen Wiedervereinigung zusammen mit dem Schloss, dem Winterpalais, dem Rathaus und den Kirchen renoviert und neu instand gesetzt.

Evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde Gotha

Die evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde Gotha umfasst die Gotteshäuser des Augustinerklosters, der Margarethenkirche, die Gemeinde der Versöhnungskirche sowie die Gemeinde Siebleben, deren Treffen an verschiedenen Orten stattfindet. Dazu zählen zum Beispiel das Glashaus und die Töpfleber Kapelle. Weitere Kirchen der evangelisch-lutherischen Stadtkirchengemeinde sind die Schlosskirche, die Friedrichskirche und Sankt Michael.

Die berühmte Augustinerkirche

augustinerkirche
Augustinerkirche von außen

Eine der ältesten und trotz fehlendem Kirchturm wohl schönsten Kirchen der Stadt Gotha ist die im Jahre 1251 von Zisterziensernonnen gegründete Augustinerkirche. Ihr weitläufiger Klosterplatz und uralte Lindenbäumen luden früher wie auch heute noch zum täglichen Verweilen ein. Später übernahmen Bettelmönche des Augustinerordens die Klosteranlage und errichteten neue Gebäude, Kreuzgänge und den Kapitalsaal, ein nun als Sakristei dienender Raum.

Der wohl bekannteste Augustinermönch, der in der Augustinerkirche predigte, war Martin Luther. Mit einer Predigt, die er hier auf seinem Weg nach Worms hielt, entfachte er den Unmut des Volkes gegenüber der Kirche, die sich im sogenannten „Pfaffensturm“ entlud.

Der von Luther sehr geschätzte erste Superintendent der Stadt Gotha Friedrich Myconius, errichtete in dem Gotteshaus eine Lateinschule sowie weitere Schulen und Bibliotheken und hatte großen Einfluss bei der Umsetzung des lutherischen Gedankenguts.

Geschichte der Margarethenkirche

Die Margarethenkirche wurde im Jahre 1064 erstmals erwähnt und später von Zisterzienserinnen übernommen. Beim großen Stadtbrand wurde die Kirche nahezu komplett zerstört und 1632 der Wiederaufbau aufgenommen. In ihr befindet sich das große Grabmal der Herzogsfamilie und im Jahre 1725 bekam die Kirche eine barocke Innenausstattung.

Die teilweise komplette Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg beschädigte das Gebäude schwer und wurde in den 50er Jahren im Stile spätgotischer Hallenkirchen neu restauriert. Das Besondere der Kirche ist ein Café in einem ihrer Kirchtürme mit Blick über die Stadt.

Das kirchengeprägte Stadtbild von Gotha

Zu einer der Wenigen, auf dem Staatsgebiet der ehemaligen DDR neu erbauten Kirchen zählt die Versöhnungskirche, die im Zuge des parteipolitischen Programms „Kirchen für neue Städte“ in Gotha 1985 neu errichtet wurde. Die Geschichte der Siebleber Kirche beginnt hingegen circa 500 Jahre früher am Laufbrunnen mit einer Vorläuferkirche namens Marienkirche.

Eine Kirche, die im Zuge des Dreißigjährigen Krieges ihre Taufe fand, ist die Schlosskirche, in deren Gemäuern Gottesdienste nur zu besonderen Anlässen stattfinden. Eine der schönsten Kirchen der Stadt ist jedoch die Friedrichskirche, einer der ältesten und kleinsten barocken Zentralbauten Thüringens.

Namensgebend ist Herzog Friedrich II., der aus Dank über eine überstandene Krankheit in der Nikolauskapelle den Grundstein für einen Kirchenneubau legte.

Sehenswürdigkeiten in Gotha

Schloss Friedenstein
Schloss Friedenstein

Gotha ist jedoch nicht nur reich an Kirchen und anderen sakralen Bauten, sondern verfügt, als ehemalige Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Gotha, über zahlreiche historische Bauten und Neubauten. Das beherrschende Bauwerk Gothas ist das imposante Schloss Friedenstein, eine frühbarocke Schlossanlage mit dem Gothaer Hoftheater, das „Ekhof-Theater“ im Westturm des Schlosses.

Diese Theater ist das älteste Barocktheater Europas. Die Hofanlage mit Orangerie, die Schlosskapelle sowie das Museum für Natur sind weitere sehenswerte Schlossbesichtigungen.

Das Verlagswesen von Gotha war im 17. und 18. Jahrhundert bis über die Grenzen hinaus bekannt und erlangte Berühmtheit durch die erste Gesamtausgabe der Werke Voltaires sowie dem „Almanac de Gotha“, einem Verzeichnis des deutschen Adels.

Gotha ist des Weiteren idealer Ausgangspunkt für Fahrten in den nahe gelegenen Thüringer Wald und dem Boxberg, Herberge der ältesten Pferderennbahn Deutschlands. Am letzten Augustwochenende veranschaulichen Händler, Handwerker und Schauspieler in historischen Kostümen die herzogliche Residenz des 18. Jahrhunderts und das Schloss Friedenstein wird zur Kulisse des bekannten „Barockfestes“.